Nachrichten im Familienverfahren: welcher Ausschnitt zählt
Im Familienverfahren geht es selten um eine einzelne Nachricht. Es geht um Absprachen über Monate: wer wann geholt und gebracht hat, was zugesagt und was abgesagt wurde, wie der Ton zwischen zwei Menschen über ein Jahr hinweg verlaufen ist. Genau deshalb ist die wichtigste Entscheidung nicht, welche Nachricht Sie vorlegen, sondern welchen Zeitraum.
Und es gibt eine zweite Entscheidung, die den meisten gar nicht bewusst ist: Familiensachen laufen nicht alle nach denselben Verfahrensregeln. Ob Ihr Chatverlauf als Beweismittel gebraucht wird oder als Material, das das Gericht selbst auswertet, hängt davon ab, worum gestritten wird.
Umgang und Sorge: das Gericht ermittelt selbst
In Kindschaftssachen gilt die Amtsermittlung. § 26 FamFG sagt es in einem Satz: „Das Gericht hat von Amts wegen die zur Feststellung der entscheidungserheblichen Tatsachen erforderlichen Ermittlungen durchzuführen.“ Das Gericht wartet also nicht ab, was die Beteiligten ihm reichen, sondern klärt den Sachverhalt selbst auf, und es zieht dabei weitere Personen hinzu, etwa das Jugendamt oder einen Verfahrensbeistand für das Kind.
Für Ihren Chatverlauf hat das eine praktische Folge: Er ist dort weniger ein Beweisstück, das einen Punkt gewinnt, und mehr ein Stück Material, das gelesen wird, auch von Menschen, die Sie nicht kennen. Ein zusammenhängender Verlauf über die strittigen Wochen ist in dieser Rolle stärker als eine Auswahl der fünf schärfsten Nachrichten, weil er die Frage „was steht zwischen diesen Zeilen“ gar nicht erst aufwirft.
Unterhalt: die Regeln der ZPO gelten
Beim Unterhalt gelten die Regeln des Zivilprozesses. Unterhaltssachen nach § 231 Abs. 1 FamFG zählt § 112 Nr. 1 FamFG zu den Familienstreitsachen, und für diese ordnet § 113 FamFG an, dass die allgemeinen Vorschriften der Zivilprozessordnung und die Vorschriften über das Verfahren vor den Landgerichten entsprechend gelten.
Damit sind Sie bei genau der Lage, die Chatverlauf als Beweis vor Gericht beschreibt: freie Würdigung des Beweisergebnisses, kein Formzwang für einen Ausdruck, und ein Dokument, dessen Wert davon abhängt, wie gut es Auskunft über seine eigene Herkunft gibt.
Welchen Zeitraum wählen Sie?
Den, der die strittige Frage vollständig umschließt, und keinen Tag weniger. Wenn gestritten wird, ob Übergaben regelmäßig abgesagt wurden, ist der Zeitraum das halbe Jahr, in dem sie stattgefunden haben sollen, und nicht die drei Wochen, in denen es am deutlichsten schiefging.
Ein lückenloser Ausschnitt beantwortet drei Fragen auf einmal:
- Wo hört es auf? Anfang und Ende stehen auf der Titelseite, also muss niemand raten, wo der Ausschnitt beginnt und aufhört.
- Ist das repräsentativ? Der Zeitraum steht dort ebenfalls, also entscheidet der Leser das selbst statt Ihnen zu glauben.
- Wurde ausgewählt? Ja, der Zeitraum, und er ist benannt. Ausgewählt wurden nicht die einzelnen Nachrichten darin, und das ist der Unterschied zu einer Sammlung von Bildschirmfotos, bei der die Auswahl unsichtbar bleibt.
Was ein Dokument dagegen nicht leisten kann: zu beweisen, dass vor dem Export nichts gelöscht wurde. Eine Lücke im Bestand hinterlässt keine Lücke in den Daten. Deshalb steht der Abschnitt weiter unten so, wie er steht.

Was Sie vorher nicht tun sollten
Aufräumen. Eine Unterhaltung, aus der vor dem Export einzelne Nachrichten gelöscht wurden, ergibt ein Dokument, das nur noch aussagt, was zum Zeitpunkt des Exports noch da war. Die peinliche eigene Nachricht, die Sie entfernen wollen, schadet fast nie so sehr wie die Lücke, die ihr Entfernen hinterlässt.
Dasselbe gilt für das Telefon selbst: Solange ein Verfahren läuft, ist das alte Gerät kein Gerät, das man in Zahlung gibt. Wie man es vorher sichert, steht unter iMessage sichern, bevor das alte iPhone weggeht.
In welcher Form geht das zur Kanzlei?
Als Datei, nicht als Stapel Papier, und in der Gerichtsansicht statt in der Chat-Ansicht. Die Kanzlei entscheidet dann selbst, was davon in den Schriftsatz geht und was als Anlage. Was genau in eine solche Sendung gehört und warum die Prüfsumme mitgeschickt wird, statt sie später nachzureichen, steht unter WhatsApp-Protokoll ausdrucken und an die Kanzlei geben.
Der Weg zum Dokument hängt nur an Ihrem eigenen Telefon, nicht am Gerät der anderen Seite: Nachrichten von einem Android-Telefon liegen auf Ihrem iPhone in derselben Datenbank wie alle anderen. Schreiben Sie auf einem iPhone, führt der Weg über die lokale Sicherung, und der Leitfaden dazu ist iPhone-Nachrichten als PDF speichern. Läuft die Absprache über WhatsApp, was im Umgangsalltag der Normalfall ist, gibt WhatsApp die Unterhaltung selbst als Datei heraus, und der Weg steht unter WhatsApp-Chat als PDF exportieren.
Häufige Fragen
Darf ich Nachrichten vorlegen, die der andere Elternteil geschrieben hat?
Nachrichten, die an Sie gerichtet waren, haben Sie empfangen, und sie liegen auf Ihrem Gerät. Ob und wie sie im konkreten Verfahren verwertet werden, entscheidet das Gericht, und die Frage gehört in die Beratung. Etwas anderes ist eine heimliche Aufnahme oder ein fremdes Gerät: Das ist ausdrücklich nicht gemeint.
Reicht ein Ausdruck, oder muss es die Datei sein?
Die Datei, und der Ausdruck nur, wenn die Kanzlei ihn ausdrücklich will. Auf Papier lässt sich keine Prüfsumme nachrechnen, und diese Prüfsumme sagt ohnehin nur eine Sache: dass die Datei seit ihrer Erstellung nicht verändert wurde. Wer die Nachrichten geschrieben hat, sagt sie nicht.
Was ist mit Sprachnachrichten und Fotos?
Fotos stehen im Dokument an ihrer Stelle im Verlauf. Eine Sprachnachricht kann ein PDF nicht abspielen, sie erscheint als Eintrag an ihrer Stelle; wenn es auf den Ton ankommt, fragen Sie die Kanzlei, in welcher Form sie ihn haben will. Ein Verlauf, aus dem die Anhänge herausgenommen wurden, ist schwerer zu lesen und leichter anzugreifen.
Muss ich das Dokument beglaubigen lassen?
Für einen Ausdruck gibt es keinen Formzwang, und eine Beglaubigung würde bestätigen, dass die Kopie dem Ausdruck entspricht, nicht dass die Nachrichten echt sind. Was das Dokument über sich selbst aussagt, trägt an dieser Stelle weiter.
Wie alt darf die Sicherung sein?
So alt, dass sie den strittigen Zeitraum vollständig enthält. Eine Sicherung hält den Stand des Tages, an dem sie entstand: Was danach geschrieben wurde, steht erst in der nächsten.
Kein Rechtsrat. Dieser Text beschreibt, was ein Dokument über sich selbst aussagen kann, und nicht, was ein Gericht damit tut. ChatExport gibt eine Sicherung oder eine Exportdatei als lesbares Dokument wieder; über Zulässigkeit, Verwertbarkeit und Beweiswert entscheidet allein das Gericht im Einzelfall. Für Ihr Verfahren fragen Sie bitte Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt.